FÜNF SEEN WIE GEMALT
Von Kunst und Natur
Diese Mobil-Tour führt Sie zum Ammersee, zum Pilsen-, Staffel-, Kochel- und zum Starnberger See. Sie zeigt Oberbayern von seiner schönsten Seite – eine Landschaft, die schon vielegroße Maler inspiriert hat.
Wunderbar, so ein Tag in Dießen: Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, zieht es alle wieder raus an den See. Jogger drehen ihre Runden, ein Vater bringt dem Sohn das Angeln bei, ein Pärchen macht ein Picknick auf dem Steg vor dem Bootshaus. Als der Schaufelraddampfer „Dießen“ am Steg fest macht, herrscht plötzlich Aufregung: 30, 40 Menschen steigen aus, mindestens doppelt so viele wollen wieder an Bord. „Achtung – alle Zusteiger aufgepasst!“, quäkt der Seemann in sein Mikrophon, „dieses Schiff fährt über Herrsching nach Stegen – es gibt keine Rückfahr-Möglichkeit“. „Ja das stimmt“, sagt der ältere Herr. Er steigt gerade mit seiner Frau samt Fahrrädern aus dem Schiff. Die beiden kennen sich aus, waren schon öfter hier. Sie haben ihr Reisemobil heute morgen schon früh auf dem Park-and-ride-Platz am Bahnhof von Dießen abgestellt. Mit den Rädern sind sie dann eine Runde um den See gefahren: „Der perfekte Tag“, sagen beide und sie wirken sehr zufrieden. Überhaupt hat ihr Urlaub enormes Glückspotential: Sie fahren mit dem Reisemobil von See zu See.
Die Spuren vom Blauen Reiter
Intensive Farben voller Leuchtkraft und Symbolik – wichtige Kennzeichen des Expressionismus. Das Künstlerpaar Wassily Kandinsky und Gabriele Münter gilt als Wegbereiter dieser Kunstrichtung in Deutschland. Die beiden gründeten mit anderen Malern die Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“. In Oberbayern sind die Maler dieser Zeit gleich durch vier Museen vertreten: das neue Franz-Marc-Museum in Kochel am See, das Münter-Haus in Murnau am Staffelsee, das Buchheim Museum am Starnberger See, sowie das Schlossmuseum Murnau. Dort werden geführte Wanderungen auf den Spuren des Blauen Reiters angeboten.
www.franz-marc-museum.de,
www.murnau.de,
www.buchheimmuseum.de,
www.schlossmuseum-murnau.de
Heute Ammerseee, morgen…
Pilsensee, dann Kochel-, Staffel- und Starnberger See. Fünf haben sie sich vorgenommen, jeder ist anders, jeder hat ein paar Besonderheiten. Man könnte diese Tour lässig zur Zehn-Seen-Runde ausbauen, denn Rieg-, Walchen-, Tegern-, Schlier- und Chiemsee sind nicht weit. Aber bleiben wir noch ein bisschen am Ammersee. Dießen ist ein Städtchen mit Charakter. Im Zentrum gibt es Cafés und Restaurants in großer Zahl. Urige, wie den Gasthof „Unterbräu“, der in einem lüftlbemalten Haus bayrische Kost serviert, oder originelle, wie das Cafe „Kleine Haie“, in dem es nicht nur Tee und Bio-Kuchen gibt, sondern auch Crêpes und Kunsthandwerk. Im Pavillon am See stellt die „Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst“ Objekte der örtlichen Bildhauer, Töpfer, Glasmaler aus. Es gibt hier viele schöne Stücke – und viele interessante (Lebens-)Künstler. Genauso wie auf der anderen Seite des Ammersees, in Herrsching, übrigens der südlichste Punkt des Münchner S-Bahnnetzes. Von hier fährt die S 5 in knapp einer Stunde zum Münchner Hauptbahnhof. Wenn Sie also nach der vielen Seeluft eine Prise Stadtluft brauchen – hier wäre ein guter Einstieg. Als Ausgangspunkt für die Entdeckungstour durch Herrsching bietet sich der Parkplatz Rieder Straße an, er ist groß genug für Reisemobile und liegt direkt am Ufer. Von hier aus kann man sehr gut auf der Promenade bis zum Schiffanleger gehen und dort dem Schaufelraddampfer beim Anlegen zusehen oder im Biergarten Zwetschgendatschi essen. Der größte Anziehungspunkt der Region ist aber unbestritten das Benediktinerkloster Andechs, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Bayerns mit berühmtem Rokoko-Altar. Die meisten der Besucher – es sind mehr als eine Million pro Jahr – kommen aber wegen etwas ganz anderem: Zum Kloster gehört die Brauerei, in der sieben Biersorten gebraut werden, unter anderem auch das weltberühmte „Andechser Doppelbock dunkel“. Deshalb kann es sein, dass Sie am Tresen in der Schlange stehen mit erwartungsfrohen Menschen aus Japan, Amerika, Polen oder Hamburg. Bier gibt’s in großen Krügen und das Essen ist deftig: Schweinshaxe mit Sauerkraut, Wammerl (Schweinebauch! Vollfett!) mit Kartoffelsalat, dazu noch eine ganze Menge mehr, was Kalorienzähler leicht in den Wahnsinn treiben kann. Das Beruhigende für Reisemobilfahrer: Es gibt auch Wasser und Apfelsaft. Fahren muss man nämlich in jedem Fall noch, denn auf dem Parkplatz ist Übernachten nicht erlaubt.
Ganz locker könnte man aus dieser Reise auch eine Tour zu den großen Malern des frühen 20. Jahrhunderts machen. Viele von ihnen hat diese Natur inspiriert, was man in einigen interessanten Museen anschauen kann. Zum Beispiel im Buchheim Museum in Bernried, das direkt am Starnberger See liegt und die Sammlungen des Romanautors Lothar-Günther Buchheim zeigt. Schon seit vielen Jahren pflegt Murnau am Staffelsee liebevoll das Andenken an Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. Das Paar lebte vor dem Ersten Weltkrieg dort und gründete zusammen mit Franz Marc den Künstlerkreis „Der Blaue Reiter“, zu dem später unter anderem auch August Macke und Paul Klee fanden. Das Münterhaus ist heute eine kleines Museum, das Einblicke in die Werke und das Leben der beiden Maler gibt. Franz Marc lebte nur ein paar Kilometer weit entfernt. Seit vergangenem Jahr werden seine Werke im neuen, nach ihm benannten Museum in Kochel ausgestellt. Marc gehörte auch zu den Münchner Expressionisten, die die Malerei ihrer Zeit radikal veränderten und – vereinfacht gesagt – die Welt nicht mehr so darstellten wie sie aussah, sondern so, wie sie sie empfanden. Über Franz Marc wird folgende Anekdote erzählt: Der Künstler zeigte dem Sächsischen König sein berühmtes Bild mit den blauen Pferden. Der König fragte: „Warum sind denn diese Pferde blau?“ Marc darauf: „Majestät, ich sehe diese Pferde so!“ Und der König: „Ach, und da mussten Sie ausgerechnet Maler werden?“ Wie schön, dass sich Franz Marc und seine Kollegen nicht haben beirren lassen. Das neue Franz-Marc-Museum zeigt seine Bilder und die Wirkung, die der Blaue Reiter auf die folgenden Künstler- Generationen hatte. Und die ist enorm.
Eher Herzhaft
Deftig und gut, das sind die Markenzeichen der oberbayrischen Küche. Weißwurst, Leberkäse, Schweinebraten mit Knödeln und natürlich die Brezn – die Spezialitäten des Freistaates sind vielfältig, reichhaltig und vor allem lecker. Ein mitgebrachtes Picknick kann man wunderbar in einem der zahlreichen klassischen Biergärten genießen. Denn dort ist es dem Besucher aufgrund des Bayrischen Biergartengesetzes gestattet, die eigene Verpflegung mitzubringen. Einzig die Getränke müssen an Ort und Stelle erworben werden.
Klare Sicht auf die schönsten Seen
AMMERSEE
Strandbäder, Biergärten, Rad- und Wanderwege – und das alles ohne Motorbootlärm. Der Ammersee ist ruhig und am Ufer warten viele kleine Attraktionen, zum Beispiel in Schondorf die romanische Pilgerkirche St. Jakob und daneben der Biergarten „Seepost“.
www.ammersee-region.de
PILSENSEE
Glasklares Wasser und günstige Windverhältnisse machen den Pilsensee zu einem schönen Surfrevier. Im Schloss Seefeld gibt es Theater, Kabarett, Konzerte und Ausstellungen. Und mit der S-Bahn (S5) kommt man in 45 Minuten zum Münchner Hauptbahnhof.
www.fuenfseen.de
STARNBERGER SEE
Er ist ein ideales Segelrevier, es gibt Tretboote, Wasserskifahrer und selbst Taucher kommen in dem bis zu 128 m tiefen See auf ihre Kosten. Für Sissi- Fans ist das Schloss Possenhofen, in dem die Kaiserin ihre Kindheit verbrachte, Pfl ichtprogramm für den Urlaub.
www.sta5.de
STAFFELSEE
Der ausgezeichnete Badesee mit heilkräftigem, moorhaltigen Wasser zählt zu den wärmsten der Region. Angler werden sich hier wohlfühlen, das Ruderboot gibt es ab 13 Euro. Auf Wörth, der größten der sieben Inseln, hat ab 1. Oktober ein zum Kloster der Insel gehörender Archäologiepark neueröffnet.
www.dasblaueland.de
KOCHELSEE
Das neue Franz-Marc-Museum und ein Spaziergang durch Kochel gehören zum Pflichtprogramm für den kunstinteressierten Besucher. Das Angebot an Wanderrouten ist erstklassig, lohnend zum Beispiel die 3-stündige Rundtour um den See. Auch empfehlenswert: Eine Ballonfahrt (ab 170 Euro).
www.kochel.de
MÜNCHEN
Die Landeshauptstadt bietet ein abwechslungsreiches Kontrastprogramm zur Seen-Idylle.
www.muenchen.de
Oberbayern kompakt
STELLPLÄTZE:
Großweil:
Gebührenfreier, asphaltierter Stellplatz für 40 Mobile direkt neben dem Gasthof Kreut-Alm. Sehr schöner Biergarten, die Einkehr ist obligatorisch. Strom 5 Euro, Saison von März bis September. Guter Ausgangspunkt für einen Besuch im
Freilicht-Museum Glentleiten. (Auf dem Parkplatz des Museums gibt es auch einen gebührenfreien Stellplatz für 10 Mobile.
www.glentleiten.de
Standort: 82439 Großweil, Kreut1,
GPS 47°40’30’’N/11°18’14’’O.
Telefon 0 88 41/58 22,
http://www.kreutalm.de
Spatzenhausen:
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 30 Mobile. Vom Campingplatz abgetrenntes
Wiesengelände direkt am Seeufer. Ganzjährig nutzbar. Hauptsaison 16 Euro pro Nacht und Mobil für 2 Personen, in der Nebensaison 12 Euro. Strom 2,50 Euro, Dusche 50 Cent, Hund 2,50 Euro.
Standort: 82418 Spatzenhausen, OT Hofheim, Seestraße 1,
GPS 47°42’26’’N/11°13’07’’O.
Telefon 0 88 47 /7 28,
www.Camping-brugger.de
Oberfinning:
Auf diesem gebührenfreien Parkplatz für 3 Mobile ist die Einkehr in den Gasthof
Staudenwirt obligatorisch. Der Schotterparkplatz ist ganzjährig nutzbar. Warme Küche gibt es bis 21.30 Uhr.
Standort:
86923 Oberfinning, Staudenwirt 6,
GPS 48°00’59’’N/11°01’10’’O.
Telefon 0 88 06/9 20 00,
www.staudenwirt.de
Camping
Camping Burg:
Auf einer Halbinsel im Staffelsee gelegener, naturbelassener Platz. Kinderspielplatz und Kiosk vorhanden. Rad- und Wanderwege am Platzrand. Standort:
82418 Seehausen, Burgweg 41,
Telefon 0 88 41/98 70,
www.Camping-staffelsee.de
Camping Strandbad Pilsensee:
Schön gelegener Platz mit langer Uferlinie und vielen Bademöglichkeiten. Großes Freizeitangebot, u. a. Wanderrouten, Wassersport oder der Besuch des Kloster Andechs.
Standort:
82229 Seefeld, Am Pilsensee 2,
Telefon 0 81 52/72 32,
www.toerring-seefeld.de
RESTAURANTS
Alpenblick in Uffing:
Wunderschön gelegener Traditionsgasthof am Staffelsee. Kreative Küche mit Spezialitäten der Region, schöne Salate. Überdachte Seeterrasse, außerdem netter, günstiger Biergarten direkt am Ufer.
Standort:
82449 Uffing, Kirchtalstraße 30,
Telefon 0 88 46/93 00,
www.alpenblick-uffing.de
Fingerprint in Herrsching:
Junge, wilde und experimentierfreudige Küche auf hohem Niveau (15 Punkte im Gault Millau). Küchenchef Konrad Zacharias Wolfmiller zaubert gerne überraschende Menüs im Chalet am Kiental. Gehobene Preisklasse.
Standort:
82211 Herrsching, Andechsstraße 4,
Telefon 81 52/98 25 70,
www.chaletkiental.de
Lido Seeshaupt:
Die Lage ist eine Sensation, direkt am Ufer des Starnberger Sees, in Fußentfernung vom Campingplatz Seeshaupt. Riesige Seeterrasse. Die Küche: Italienisch, bayerisch, asiatisch und vegetarisch – bunt gemischt und solide. Standort:
82402 Seeshaupt, St. Heinricher Straße 113,
Telefon 0 88 01/5 33,
www.seerestaurant-lido.de
SEHENSWERTES
Freilichtmuseum Glentleiten:
Zwischen Kochel- und Staffelsee stehen insgesamt 60 alte Gebäude: Bauernhöfe, Mühlen, Werkstätten und mehr. Es gibt Programme, in denen spielerischüber altes Handwerk und das einfache Leben der Bauern informiert wird.
Standort:
82439 Großweil, An der Glentleiten4,
Telefon 0 88 51/18 50,
www.glentleiten.de
Gute Informationen bekommt man beim Tourismusverband München-Oberbayern. Auf der Website gibt es auch ein pdf-Dokument über Reisemobilstellplätze zum Herunterladen.
Telefon 0 89/8 29 21 80,
www.oberbayern.de
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