Brandenburg

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Schorfheide

Vielfältiger kann eine Urlaubsregion kaum sein. Ob er nun in die pulsierende Metropole Berlin eintauchen will oder lieber in einen der 3000 Seen, ob er nun entlang der 33.000 Flusskilometer radeln will oder lieber genüsslich durchs Biosphärenreservat wandert – das Caravaning-Land Brandenburg bietet dem Urlauber viele Alternativen. Mehr als 170 Campingplätze sind Ausgangspunkte für einen abwechslungsreichen Caravaning-Urlaub. Was haben der Yellowstone Nationalpark, die Hawaii-Inseln, die Serengeti in Afrika und die Mark Brandenburg gemeinsam? Sie beherbergen von der UNESCO anerkannte Brandenburg. Für Liebhaber von Expeditionen und Fernreisen haben Serengeti oder Yellowstone sicher ihren Reiz. Wer aber nur 14 Tage oder drei Wochen auf  Tour will, hält es eher mit dem alten Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe: „Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“

Das Gute liegt so nah

Also auf nach Brandenburg. Im Nordosten der Hauptstadt Berlin, zwischen der oberen Havel, der unteren Oder und dem Barnim, findet der Besucher eine Kulturlandschaft, die von der UNESCO als so wichtig und interessant eingestuft ist, dass sie Teil des weltweiten Forschungsprogramms „Der Mensch und die Biosphäre“ wurde. Im Gegensatz zu einem Nationalpark, in dem die Natur weit gehend sich selbst überlassen sein soll, werden im Biosphärenreservat die Möglichkeiten naturverträglichen Wirtschaftens erprobt. Dazu gehört natürlich auch der Tourismus. Denn durch die kontrollierte Nutzung findet der Urlauber, speziell Wanderer und Radfahrer, eine üppige, ungemein abwechslungsreiche Landschaft – ein kleiner Nebeneffekt zu den hehren Zielen der Forschung und des Umweltschutzes.

Video Deutschland – allgmein:

Blumberger Mühle

Als Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin empfiehlt sich das Informationszentrum Blumberger Mühle in Angermünde, das vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) betrieben wird. Dort gibt es umfangreiche Informationen zum Biosphärenreservat und dessen großen Artenreichtum wie beispielsweise zum Seeadler, der schon in seiner ausgestopften Variante, wie er im Informationszentrum steht, Eindruck macht. Doch der wirkt ungleich größer, wenn er über dem Gelände der Blumberger Mühle kreist. Und das ist durchaus keine Seltenheit. Mehr als 20 dieser erhabenen Raubvögel sind hier heimisch, weil ihnen die fischreichen Teiche und Seen einen idealen Lebensraum bieten. Dass Caravaning-Freunde meist auch Naturfreunde sind, hat man beim NABU längst registriert. „Wandern, Naturerlebnis und Caravaning passen perfekt zusammen“, sagt Kathrin Succow-Hoffmann, die Leiterin des NABU-Zentrums. Deshalb hat sie sich auch entschlossen, Reisemobilisten auf dem geschotterten Parkplatz vor der Blumberger Mühle übernachten zu lassen. In absehbarer Zeit soll der Stellplatz sogar zu einem kleinen Reisemobilhafen inklusive Entsorgungsmöglichkeit ausgebaut werden.

Idyllischer Gamensee

Einen großen Reisemobilhafen bietet in dieser Region bereits Matthias Höse an, der gemeinsam mit seinen Eltern den Country Camping Tiefensee betreibt. Wer also nur eine Nacht Zwischenstation machen will, übernachtet in seinem Reisemobil (Wohnmobil) oder Caravan (Wohnwagen) auf der topfebenen Wiese vor der Schranke. Dabei eignet sich das Campingareal durchaus auch für einen längeren Aufenthalt. Der in der Eiszeit entstandene Gamensee lädt zum Baden oder Bootfahren ein, die Liegewiese davor zum Ausruhen. Sollte es mal kühl werden, so bietet der Campingplatz ein kleines Wellness-Zentrum mit Sauna und Solarium an. Ein nettes Detail am Rande: Das moderne Rezeptionsgebäude lehnt sich in seiner Form an das „Dübener Ei“, einem Caravan-Klassiker aus DDR-Zeiten, an. Der Country-Camping bietet sich auch als Ausgangspunkt für Touren in die Region an. Ziel einer Kultur-Tour könnte beispielsweise das Kloster Chorin sein. Die Anreise beschreibt einer der profundesten Brandenburg-Kenner, der Schriftsteller und Journalist Theodor Fontane: „Wer hier in der Dämmerung des Weges kommt und plötzlich zwischen den Pappeln hindurch diesen stillen und einsamen Prachtbau halb märchenartig, halb gespenstisch auftauchen sieht, dem ist das Beste zuteil geworden. Die Poesie dieser Stätte ist dann wie ein Traum, wie ein romantisches Bild an ihm vorübergezogen.“

Auf Entdeckungstour

Die Choriner Abteikirche zählt heute zu den ausgereiftesten Werken der märkischen Backsteingotik. Die Ruine des über 725 Jahre alten Klosters Chorin ist aber nicht nur ein Ziel für Besichtigungen. Zwischen Juni und August finden sich hier hochkarätige Orchester beim Choriner Musiksommer ein. Das ist eine Veranstaltung, die nun wirklich als traditionell bezeichnet werden darf. Im Sommer 2004 erlebten die Klosterklänge ihre 41. Auflage. Noch etwas älter ist ein technischer Klassiker, an dem man nicht vorbei fahren sollte: das Schiffshebewerk in Niederfinow. Es wurde 1934 in Betrieb genommen, ist damit das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk und verbindet die Oder mit dem Oder-Havel-Kanal. Der 14.000 Tonnen schwere Stahlkoloss nimmt ungefähr die Fläche eines Fußballfeldes ein und zeigt sich trotz seines Alters sehr rüstig. In fünf Minuten überwindet er einen Höhenunterschied von 36 Metern. Geschleust werden können Boote oder Schubverbände mit einem Gewicht von bis zu 1.000 Tonnen. Besucher erleben das Spektakel entweder an Bord eines Fahrgastschiffes oder sie steigen vom Parkplatz aus rund 200 Stufen empor und sehen von oben zu, wie die 256 dicken Stahlseile den 85 Meter langen Wassertrog heben und senken. Ein weiteres Highlight für Technikinteressierte ist der Erlebnispark Luftfahrt in Finowfurt. 25 Flugzeuge aus der Zeit von 1945 bis 1985 sind dort zu sehen. Darüber hinaus stellen die zumeist ehrenamtlichen Luftfahrtenthusiasten Flugsimulatoren, Triebwerke und weitere Exponate aus dem Bereich der Luftfahrttechnik aus. Dazu gesellt sich noch eine kleine Sammlung historischer Feuerwehrfahrzeuge.

Gut zu Wissen

Alleen sind in der Mark Brandenburg weit verbreitet. Zu den Geboten gehört, mit der Geschwindigkeit unter 80 km/h zu gehen, wenn die Bäume dicht am Fahrbahnrand stehen. Nach Regen sollte die Rutschgefahr beachtet werden, weil es noch stundenlang von den Bäumen tropft. Belaubte Alleen sind oft dunkel; damit das Auto gesehen wird: Licht an!

Im südlichen Brandenburg sind große Flächen Bergbaugebiet. Wer die Schilder „Vorsicht! Lebensgefahr!“ nicht respektiert, kann schnell auf nicht verfestigten Kippen einbrechen oder ins Rutschen kommen.

Die Stechmücke kann im Spreewald zur Plage werden. Mückenschutzmittel sollte daher vorsichtshalber ausreichend vorhanden sein.

Geschichte erleben

Ein Geschichtserlebnis anderer Art bietet sich im Jagdschloss Hubertusstock nahe des Werbellinsees. Dabei darf man sich aber kein repräsentatives Gebäude mit Erkern und Türmchen vorstellen. Der Landsitz von Erich Honecker ist vielmehr einem bayrischen Landhaus nachempfunden. Dorthin lud der Staatsratsvorsitzende regelmäßig wichtige Gäste aus Ost und West ein, wovon die vielen Gästezimmer zeugen. Leider erlebt man nur noch in wenigen Räumlichkeiten die Spießigkeit und den Muff des real existierenden Sozialismus, denn kurzsichtige Investoren haben einen Großteil der hier verborgenen deutschen Geschichte einfach kaputt saniert. Das Jagdschloss wurde nicht nur von SED-Größen bewohnt, schon der alte Kaiser Wilhelm kam gern hierher, was dem 1896 eingeweihten Bahnhof Werbellinsee schlicht den Namen Kaiserbahnhof eintrug. Zumindest als König darf sich der Caravaningfreund auf dem Campingplatz „Am Spring“ fühlen. Zwar sind die Anlagen nicht topmodern, doch gut gepflegt und die Gastfreundlichkeit ist einfach vorbildlich. Wer abends auf der Terrasse des Campingrestaurants oder direkt am Ufer des Sees sitzt, kann verstehen, warum Theodor Fontane einst schwärmte: „Es ist ein Märchenplatz, an dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des Werbellin.“

Insider Tipps

Brandenburg ist für Angler ein tolles Revier. So gibt es z. B. in der Umgebung von Templin etwa 180 fischreiche Seen. Selten ist die Artenvielfalt so groß wie in der Mark. So tummeln sich von den in Brandenburg vorkommenden 48 Fischarten allein 43 in der Oder und deren Altgewässer. Für seine Aale, Zander und Barsche ist der Unteruckersee bei Prenzlau bekannt, und aus dem Großen Heinersdorfer See (50 km östlich von Berlin) holen die Angler prachtvolle Welse und Karpfen. Im Biosphärenreservat Spreewald darf an etwa 60 Prozent der Fließgewässer geangelt werden. Angeln ist nur gestattet mit einem gültigen Fischereischein und einer Angelberechtigung für das jeweilige Gewässer. Wo es die gibt, wissen die Tourist-Informationen vor Ort.

Wichtige Adressen

Tourismusgemeinschaft Barnimer Land
Bergerstraße 97
16225 Eberswalde
Telefon: 03334-58984-0
Fax: 03334-58984-20

NABU-Informationszentrum
Naturschutzbund Deutschland e.V.
Blumberger Mühle 2
16278 Angermünde
Telefon: 03331-2604-0
Fax: 03331/2604-50

Kloster Chorin – Besichtigungen
Telefon: 033366-70377
Fax: 033366-70378

Choriner Musiksommer e.V.
Friedrich-Ebert-Straße 28
16225 Eberswalde
Tel: 03334-657310
Fax: 03334-657320
www.choriner-musiksommer.de

Country Camping Tiefensee
Schmiedeweg 1
16259 Tiefensee
Tel: 033398-90514
Fax: 033398-86736
www.country-Camping.de

Schiffshebewerk Niederfinow
Tel: 03338-768097
www.schiffshebewerk-niederfinow.info

Erlebnispark Luftfahrt
Am Flugplatz 1
16244 Finowfurt
Tel: 03335-7233
Fax: 03335-326224
www.luftfahrt-museum-finowfurt.de

Verband der Campingwirtschaft im Land Brandenburg e.V.
Brückenstraße 15
16244 Finowfurt
Tel: 03335-326717
Fax: 03335-4519064
www.Camping-in-brandenburg.de

Campingplatz „Am Spring“
Seerandstraße
16247 Joachimstal
Tel: 033363-4232
Fax: 033363-4313

Text und Bild: Martin Häußermann

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